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Das hört doch jeder…

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Sei es, weil man selber schon in eine verwickelt war oder weil man nur mal eine gehört hat: die leidige Diskussion darüber, ob man den Unterschied zwischen CD, mp3 und Schallplatte hört. Früher habe ich mich gerne an derartigen Diskussionen beteiligt, musste aber mit der Zeit feststellen, dass es sich vor allem bei Schallplattenliebhabern einfach um Glaubenskrieger handelt, die kaum einem Argument zugänglich sind. Bei mp3-/CD-Jüngern mag das ähnlich sein, aber hier ist es wenigstens möglich zu einem wie auch immer aussehenden Ergebnis zu kommen.

Vor längerer Zeit war ich im Rahmen unserer alljährigen Tanzveranstaltung in die Diskussion geraten, in der mein Gegenüber behauptete, mp3-Audio-Dateien seien grundsätzlich (und hörbar) schlechter als es ein CD-Track ist. Sachlich kann man da natürlich nichts gegen sagen, denn die Unterschiede sind erstens messbar und zweitens im System begründet. Und das “in” einem CD-Track mehr Information steckt, als in einer mp3-Datei ist in der Art der Komprimierung begründet.

Ich behaupte aber: kein Mensch (wobei es hier möglicherweise wenige Ausnahmen gibt) ist in der Lage eine gute mp3-Datei von einem originalen CD-Track zu unterscheiden. Weil mein Diskussionspartner sich nicht überzeugen ließ, bat ich ihn, mir zwei Lieder zu nennen, die er für besonders kritisch für die mp3-Komprimierung halte. Er gab mir eine CD, auf der zwei Lieder sind, die er (mit guter Begründung) als kritisch einstufte.

Ich habe diese beiden Lieder und zusätzlich ein klassisches Stück von Beethoven (mit paranoiden Einstellungen, also sehr langsam) gerippt. Dann habe ich die Lieder mit unterschiedlich Bitraten mit der zur Zeit aktuellen Release-Version des mp3 Encoders LAME 1.97 codiert. Die habe ich dann hintereinander mit 4-facher Geschwindigkeit unter Nero auf eine CD gebrannt.

Ich behaupte konkret: Bei einer mp3-Datei ab 192kbit ist es für einen (in Bezug auf sein Gehör) normalen Menschen mit normalem Audioequipment bei einem normalen Lied unmöglich herauszuhören, ob es sich um eine mp3-Datei oder einen originalen AudioCD-Track handelt.

Mit “normal” meine ich hier nicht, dass die gesamte Ausstattung nur 30 Euro kosten darf, sondern dass es halt “normale” Abspielgeräte sind (von mir aus auch welche für 10.000 Euro). “Normale” Lieder sage ich daher, weil es wahrscheinlich die eine oder andere Ausnahme gibt, die sich tatsächlich nicht komprimieren lässt. AUSNAHME. Und zu Menschen mit “normalen” Gehör in meinem Sinne verstehe ich u.a. alle Menschen, die ich bis jetzt kenne.

Ich wette: keiner schafft es, auf der von mir gebrannten AudioCD ohne besondere technische Hilfsmittel (also nur durch Hörtests) die einzelnen Tracks der jeweiligen Qualität zuzuordnen.

Ich habe hier eine CD mit drei verschiedenen Liedern, die jeweils mit LAME mit den konstanten Bitraten 96kbit, 128kbit, sowie 192kbit und zusätzlich der besten LAME Einstellung codiert wurden. Alle mp3-Dateien sind im JointStereo Format bei 44.1kHz codiert. Außerdem ist natürlich der originale Track mit dabei. Also 5 Qualitäten eines Liedes. Bei Interesse die Wette anzunehmen meldet Euch kurz bei mir. Wenn ich Euch kenne, bringe ich die CD einfach mal mit 😉

Ich selber habe übrigens sogar die 96kbit-Datei nicht raushören können, von der ich sicher war, die würde qualitativ total aus dem Rahmen fallen. Die 96kbit Version möchte ich gerne ein bisschen außer Konkurrenz laufen lassen. Ich denke, die kann man vielleicht raushören (auch wenn ich es nicht konnte).

Ich würde mich freuen, wenn jemand mitmacht…

9 Kommentare

  1. Ich schließe mich Deiner Behauptung an, ab 160kBit/s und aufwärts bekommt kein Durchschnittsmensch (ich lass an dieser Stelle die Ethik mal aus’m Spiel) einen Unterschied mit.

    Die Mpeg1 Audiolayer 3 (MP3) Kompression ist zwar nicht verlustfrei (i.S. von Verzerrungen), nur ist ab spätestens dieser BitRate (und hier kommt es auf die verschiedenen optimierten Kompressionsalgorithmen und deren Zielsetzung an) schon aufgrund der Zielsetzung, eine Datenkompression u.a. durch das Herausfiltern von Menschen NICHT WAHRNEHMBAREN Audiodaten zu erreichen, ohne technische Hilfsmittel (Verstärker) kein akustischer Unterschied hörbar.

    Im Auto (aufgemotzt mit toller Endstufe und fetten Subwoofern) MERKT man dann vielleicht weniger Bass. Hören kann man den Bass i.d.R. nicht, man fühlt ihn.

    ABER:
    ——-
    Sollte jemand auf geringe Frequenzabstände konditioniert “worden” sein (Reizdiskriminierung), so bestünde für diesen die Möglichkeit, sehr wohl auch den Unterschied zwischen 320kBit/s und 192kBit/s zu hören.

    Bevor ich also -an Deiner Stelle- eine Wette einginge, würde ich zuvor abklären, ob die Person mit der ich wette, nicht eben diese Reizdiskriminierung durchlaufen hat (z.B. im klassischen Musikunterricht oder im Auto als Bassfetischist).

    Bin mal gespannt, ob jemand die Unterschiede hören kann.

    Bring die CD mal mit. Habe ein amtlich geprüftes verdammt gutes Gehör.
    Vielleicht höre ich ja den Unterschied, mit Frequenzen kennt sich mein Ohr ganz gut aus… Keine Angst, ich wette nicht 😉

    LG

  2. Ja, wer hat, der hat… 😛

    Okay, okay, ich gebe zu, es klingt schon nach *Klugscheißermodus* .
    Was ich ausdrücken wollte ist, dass es sehr wohl Menschen geben kann, die so ein empfindliches Gehör haben.

    Deshalb würde ich von einer Wette Abstand nehmen!!!

    @Jonas: So, noch’n Sorry, falls ich Dich unangenehm berüht haben sollte.

    LG

  3. @Phil: Heute werde ich die CD nicht dabei haben. Sorry, dumm von mir.

    @Kommilitone: Interessante Theorie. Gerade mit Dir würde ich jetzt gerne wetten 🙂 Wie wärs um ein Frühstück? Ich wette, außer vielleicht der schlechtesten (also der 96kbit Version) erkennst Du nicht überzufällig (also signifikant), um welche Qualitätsstufe es sich handelt.
    Folgende Bedingungen: Wenn Du 4 von 5 mal die 128kbit Version raushören kannst, und die vierte 128kbit Version maximal als 192 einstufst, gebe ich mich geschlagen (unabhängig davon wie oft Du Original, 192kbit und “extreme” korrekt eingeordnet hast).
    Ich denke das ist vor allem aus Deiner Perspektive fair?!
    Das Du keine technischen Hilfsmittel einsetzt, will ich Dir einfach unterstellen 🙂 Bass im Auto oder Reizdiskriminierung kannst Du gerne versuchen 🙂 Schlägst Du ein? Wir müssen dann nur noch einen Zeitrahmen <2 Monate setzen 🙂

  4. @Phil: Bin doch da 😛 (sind Insider eigentlich doof?)

    @Kommilitone: Mir ist eingefallen: ich glaube, an den Bässen dürfte man gar keinen Unterschied bemerken. MP3-Kompression “beschneidet” hauptsächlich die Höhen. Also solltest Du vielleicht Hochtöner in Dein Auto schrauben 😉

  5. Joa, für ein(!) Frühstück würd’ ich’s versuchen. Obwohl ich eigentlich nicht dagegen wette. Ist also eher wie Lotto…

    Aber wer weiß? Vielleicht…

    Sehen uns ja morgen. Können dann ja absprechen, wann und wo die Wette geht.

    LG

    PS: Habe, wie’s sich für eine vernünftige Anlage gehört, natürlich auch Hochtöner im Auto. Muss sie also nicht extra reinschrauben… Hoffentlich werden die Höhen nicht von meiner Endstufe beschnitten???

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