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Aufatmen II

Gestern mittag hieß es zum zweiten mal aufatmen: Die erste Klausur dieses Semesters liegt hinter mir. “Didaktik beruflichen Lernens in der Aus- und Weiterbildung”.

An Fragen wie

  • Was ist unter der doppelten Negativität des Normativitätsproblems zu verstehen?
  • Wie wird das Konvergenztheorem begründet?
  • Nehmen Sie an einem in Ihrem Studiengang elernten Stoff eine vertikale oder horizentale Reduktion durch und begründen Sie die Art der Reduktion?
  • Nehmen Sie kritisch Stellung zu der Frage, ob die Tendenz zur ‘neuen Beruflichkeit’ in allen Arbeitsfeldern erkennbar ist?

konnten wir unser Wissen beweisen. In der knapp bemessenen Zeit von 90 Minuten waren 12 Seiten mit MultipleChoice-Aufgaben, wissensabfragenden Aufgaben und Transferaufgaben zu bearbeiten.

Ein kleines Highlight: eine Kommilitonin fühlte sich während der Klausur durch ihre Sitznachbarin gestört,  die durch den Verzehr von Schokolinsen anscheinend einen permanenten, von mir nicht wahrgenommenen Störgeräuschpegel verursachte. Anscheinend auf äußerste genervt wies sie die Essende in der letzten halben Stunde der Bearbeitungszeit zurecht:

Das nächste Mal bringst Du besser Gummibärchen mit. Die machen nicht so einen Lärm beim Essen.

Einen leicht peinlichen Moment bekam die Sache ca. 10 Minuten später: das erste und einzige hörbare Handyvirbrieren kam ausgerechnet von der mahnenden Kommilitonen…

Aufatmen??Das kommt mir spanisch vor…

Vor einer Woche galt es, die zweite Hürde in dem von mir belegten Spanisch-Kurs zu meistern: einen Test, dessen Note zwar irrelevant ist, dessen Nichtbestehen jedoch ohne Wiederholungsmöglichkeit zum sofortigen Ausschluss aus dem dem Sprachkurs führt. Seit einem Semester habe ich einmal in der Woche 90 Minuten Spanisch. Das sind ca. 11 Veranstaltungen, also 16 Stunden Spanisch. Unsere Aufgabe: einen Text mit 100 Worten (handschriftlich ca. unter einer DIN A4 Seite) darüber, was Ausländer über uns Deutsche denken (könnten).

Gestern war der Tag der Entscheidung und ich muss gestehen: Beim Popstars-Finale ging es zwar um eine Menge Geld und die Zukunft der Monrose-Anwärterinnen, aber ich bin an diesem Morgen nervöser als damals um 22.oo Uhr, als die Entscheidung über die Chartsspitze der nächsten Woche(n) in greifbare Nähe rückte. Zum Glück gehört unser Dozent, der sich uns zu Beginn des Semesters nur als “Mario” vorstellte, zu der Sorte Lehrer, die nicht bis zum Ende der Veranstaltung mit der Rückgabe von Tests wartet. Ich bin wirklich aufgeregt. Er beginnt zu verteilen. Mein Test kommt nicht. Dann mein Name, ich reiße den Armhoch, bekomme den Test und merke: der Nachname ist nicht meiner. Ich reiche den Test weiter zu meinem Namensvetter.

Zwei Abende vorher habe ich geträumt, ich würde den Test nicht zurück bekommen und Mario, der immer freundlich lacht, würde mir am Ende der Stunde im privaten Gespräch lächelnd mitteilen, dass ich raus bin.

Er hält die letzten Tests in seinen Händen. Jetzt den letzten. Ich will schon winken, aber er liest einen anderen Namen vor… Ich glaube nicht an “Traumvorhersagen”, aber hier hat sich offenbar einer bewahrheitet. Ich bin weg vom Fenster 🙁

Mario dreht sich um, greift hinter sich und hält einen zweiten Stapel Tests in den Händen. Mein Herz rast. Ich hatte mich schon von vorne beginnen sehen. Endlich, fast als letzter von dreißig Mitlernenden, mein Name. Ich halte den Test in der Hand und kann vor lauter Aufregung mit den Punktzahlen nichts anfangen. Sieht nach wenig aus. Oder ist 100 das Maximum? Dann würde es passen… Meine Sitznachbarin kann mir zum Glück helfen. Erleichterung: Bestanden.

Wahrlich ein Nervenkrimi.