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Datenschutzpanne

Ich: Wie werden Ihre Klausurergebnisse veröffentlicht?
Dozent: Im L²P. (Dem geschlossenen Onlineportal, auf das nur die ca. 70 Studenten dieser Veranstaltung Zugriff haben)
Ich: Und wie werden die anonymisiert?
Dozent: Da steht nur Ihre Matrikelnummer.

Wenig überraschende Antwort. Ich bin an der RWTH bis jetzt drei Verfahren zur Notenveröffentlichung begenet:

  1. es gibt eine Notenliste öffentlich auf der Homepage des jeweiligen Instituts,
  2. die Notenliste hängt im Flur des Instituts aus, oder
  3. es wird eine Notenliste im geschlossenen Onlineportal eingestellt.

Die Anonymisierung soll dabei dadurch gewährleistet werden, dass lediglich Note und Matrikelnummer angegeben wird, nicht aber die Namen der Studenten. Im Idealfall lässt die Matrikelnummer keinen Rückschluss auf Namen und damit die Person selber zu. Bei unserem 12-Personen-Studiengang BPWP ist es natürlich fraglich, ob man auf diese Art noch wirklich von Anonymisierung sprechen kann…

Im Prinzip kannte ich die Antwort des Dozenten schon vorher, denn im letzten Semester habe ich schon eine Klausur bei ihm geschrieben. Und Dozenten sind in aller Regel Gewohnheitstiere 😉 Und obwohl ich mit der Antwort gerechnet hatte, war ich überrascht, mit welcher Selbtstverständlichkeit der Dozent meinte, die Anonymität durch ausschließliche Verwendung der Matrikelnummer sicherstellen zu können. Folgendermaßen setzte sich unser Gespräch fort:

Ich: Aber Sie haben doch heute morgen eine Teilnahmeliste freigegeben, auf der Namen UND Matrikelnummer angegeben sind?!
Dozent: Oh… ja das stimmt… Das muss ich dann noch ändern. Danke für den Hinweis!

Klartext: unser Dozent hat heute morgen allen Teilnehmern seiner Veranstaltung online eine Liste zugänglich gemacht, in der alle Namen mit den dazugehörigen Matrikelnnummern stehen!

Ca. zwei Stunde später stellt er im oben wiedergegebenen Dialog mit mir klar, dass er die Matrikelnummer als Instrument nutzt, um Anonymität zu gewährleisten. Peinliche Panne!

Zu seiner Rehabilitierung kann man nur festhalten, dass er die Namen schon ca. eine Stunde nach unserem Gespräch entfernt hat… Oder muss man da sagen “erst”??

5 Kommentare

  1. Die Idee der Anonymisierung durch die Matrikelnummer stammt nicht vom Dozenten, sondern ist Vorgabe der RWTH. Ich halte das auch für problematisch. Man überlege sich auch mal, wo man überall Studienbescheinigungen, die beide Informationen enthalten, abgibt. Zum Beispiel bei Telekommunikationsanbietern um einen Studentenrabatt zu erlangen.
    Wenn die Listen allerdings im L2P eingestellt sind, ist das schon ganz gut. Ein Datenschutz vor den Kommilitonen wäre zwar auch wünschenswert, ist für mich aber zweitrangig.
    Gibts eigentlich im L2P kein integriertes Notensystem? So dass jeder nur auf die Informationen, die sich auf seine Person beziehen, zugreifen kann. Ich meine da mal so was ähnliches gesehen zu haben. Wenn nicht ist das bestimmt gerade in Entwicklung. 😉

    Von jemandem, der in Norwegen studiert hat, habe ich ein interessantes Verfahren kennengelernt. Dort kriegen die Dozenten keine Auflösung Matrikelnummer – Name. Auf die Klausuren schreibt man NUR seine Matrikelnummer. Die Identität in der Klausur wird von extra eingestellten Hilfskräften erledigt, die nicht der Universität angehören.
    Der Dozent erfährt überhaupt nicht, wer bestanden hat und wer nicht. Er trägt alle Noten mit Matrikelnummer in eine Datenbank ein und im ZPA wird das dann aufgelöst.
    Bei der Klausureinsicht arbeiten auch wieder die extra eingestellten Kräfte. Der Professor steht nur für Rückfragen zur Klausur zur Verfügung.

  2. Die Idee der Anonymisierung durch die Matrikelnummer stammt nicht vom Dozenten, sondern ist Vorgabe der RWTH.

    Es gibt trotzdem einige Dozenten die andere Wege gehen. Z.B. eMail an die Studenten (was natürlich nur in kleineren Gruppen sinnvoll umsetzbar ist).

    Ein Datenschutz vor den Kommilitonen wäre zwar auch wünschenswert, ist für mich aber zweitrangig.

    Ja, sehe ich auch so.

    Gibts eigentlich im L2P kein integriertes Notensystem?

    Nein, gibt es nicht. Aber es gibt den onlinezugriff auf zentrale Prüfungsamt. Theoretisch könnten die Dozenten die Noten einfach da eintragen, dann könnte sie nur der betreffende Student sehen. Problematisch ist das, falls die Note (wegen Fehlern/Diskussionen oder so) nachträglich verändert werden sollte. Darum sagen einige Dozenten, sie würden die Noten erst ins L²P stellen und danach beim ZPA eintragen. Andere machen beides gleichzeitig, was natürlich dann nicht sooo viel Sinn macht.

    Man überlege sich auch mal, wo man überall Studienbescheinigungen, die beide Informationen enthalten, abgibt.

    Stimmt, hatte ich noch nie drüber nachgedacht…

    Dort [Norwegen, Anm. StFeder] kriegen die Dozenten keine Auflösung Matrikelnummer – Name.

    Klingt nach der Non-Plus-Ultra Lösung (schreibt man das so??)!

    Bei Wikipedia steht:

    Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen deshalb in Deutschland Name und Matrikelnummer nicht gemeinsam veröffentlicht werden

    Ich habe ein bisschen danach gesucht, aber nichts konkretes gefunden. Könnte sich natürlich aus dem Datenschutzgesetz ergeben, würde allerdings vielleicht bei den Studienbescheiningungen zu einem “Rechtsmangel” führen. Die Aussage halte ich für fragwürdig…

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